Leitbild der Gehölz-Pflege

Prämisse

In dem lesenswerten Wikipedia-Artikel → Golfplatz werden im Abschnitt „Typisierung“ die Plätze anhand der in ihnen vorherrschenden Charakteristika in Typen eingeteilt. Es ist unschwer zu erkennen, dass der Golfplatz des Golfclub Sauerland dem Typus „Parkland“ zuzuordnen ist.

Diesem Sachverhalt entsprechend, respektiert einerseits die Entwicklung und Pflege der Gehölze und ihrer Standorte auf unserem Platz diesen Golfplatz-Typus und dient andererseits dazu, den Parkland-Charakter hervorzuheben.

Grundsatzentscheidung

Im Gegensatz zum französischen Park, der geometrische Formen liebt und dazu neigt, Gehölze zu Skulpturen zu formen, ist es das englische Ideal, trotz der energisch ordnenden, erziehenden und pflegenden Hand des Gärtners den Eindruck hervorzurufen, alle vorhandenen Pflanzen haben sich in natürlicher Weise in die jeweils gegebene schöne Gestalt und gefällige Anordnung entwickelt. Alle Entscheidungen auf dem Platz des Golfclub Sauerland ordnen sich diesem englischen Ideal unter.

1. Konsequenz

Pflege von solitären Koniferen mit bodentiefer Belaubung
(Fichte, Tanne, Krüppelkiefer, Eibe, Wacholder, …)

  • Die bodentiefe Belaubung wird möglichst erhalten.
  • Vertrocknete Äste werden bis in Reichhöhe fachmännisch vom Stamm getrennt (Der Astring bleibt unversehrt).
  • Unter den Bäumen wird nur flacher Bewuchs zugelassen; aus Vogelsaat hervorgegangene Schösslinge (Holunder, Brombeeren, Vogelkirsche, …) werden tief gejätet, das heißt, mit ihren Wurzeln entfernt.
  • Für die Pflege der Spielflächen ist die bodentiefe Belaubung unproblematisch:
    • Die maschinellen Mäharbeiten sparen den Standort einfach aus.
    • Da der Baum mit seiner Belaubung seinen Standort stark abschattet, wächst der Unterbewuchs nur langsam. Dieser kann deshalb in Handarbeit kontrolliert und gepflegt werden.
Falsch: Nadelbaum mit eingekürztem Laubkleid
Richtig: Das Laubkleid fällt bis auf den Boden

2. Konsequenz

Pflege von solitären hochstämmigen Laubbäumen
(Buche, Eiche, Linde, Kastanie, Weide, Pappel, …)

  • Aufgrund des reichlichen Lichteinfalls weist der Unterbewuchs insbesondere bei jungen Laubbäumen, die wenig Schatten spenden, ein starkes Wachstum auf. Bezogen auf die Platzpflege muss daher für jeden Standort eine grundsätzliche Entscheidung getroffen werden:
    • 1. Möglichkeit: Hardrough
      • Der Unterbewuchs wird nur zweimal im Jahr gemäht.
      • Damit der Standort ansehnlich bleibt, muss durch geeignete Maßnahmen dafür gesorgt werden, dass er nicht durch Ballsucher verwüstet wird.
    • 2. Möglichkeit: Rough
      • Der Standort wird in die regelmäßig erfolgende Mahd des Roughs einbezogen.
      • Damit eine maschinelle Mahd möglich ist, muss der Hochstamm so entwickelt werden, dass die Mähfahrzeuge ungehindert unter den Ästen des Baumes verkehren können. Dazu wird bei jungen Bäumen von Zeit zu Zeit – aber immer nur soweit erforderlich – der unterste Astkranz entfernt. Diese Maßnahme erzieht den Baum zur Ausbildung einer formschönen hohen Krone.
      • Um eine Beschädigung der Bäume durch die Mähmaschinen zu vermeiden, erhalten wenigstens die jungen Bäume eine Mulchscheibe. Bei Bäumen mit einem Mindestalter von 15 Jahren wird auf eine Mulschscheibe verzichtet; allerdings müssen die Standorte grundsätzlich in einem Radius von einem Meter um den Stamm mit einem Rasenmäher oder einem Freischneider per Hand gemäht werden.
Erziehung junger Bäume
Junger Baum mit Mulchscheibe

3. Konsequenz

Gestaltung des Einflusses auf das Spiel

Solitärgehölze oder auch Gehölzgruppen befinden sich „im Spiel“, wenn sie Hindernisse auf dem direkten Weg vom Abschlag zum Grün darstellen, die über- oder umspielt werden müssen. Erzieherische oder pflegerische Maßnahmen sind auf jeden Standort so individuell anzupassen, dass ein ausgewogener Kompromiss zwischen der Verwirklichung des Parkland-Ideals und den Ansprüchen an die Spielgestaltung zustande kommt. Die folgenden Beispiele erläutern exemplarisch das Vorgehen.

Besonders eindrucks- und wirkungsvolle Hindernisse sind auf unserem Platz die großen Eichen, deren Anpflanzung vermutlich auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Bäume dieser Größenordnung, zu denen auch trotz ihres geringeren Alters die Kastanien auf der Bahn 2 zählen, verändern über die Jahre hinweg ihren Einfluss auf das Spiel nur unmerklich. Daher gibt es auch keinen Grund an der Form ihrer Krone irgendwelche Änderungen vorzunehmen. Die Baumpflege dient hier ausschließlich dem Erhalt der Bäume und der Verkehrssicherung durch Entfernen von Totholz.

Jüngere Gehölze verändern ihren Einfluss auf das Spiel fortlaufend. Beispielsweise gelingt es nur noch wenigen Spielern, das Hundebein der Bahn 6 durch einen Abschlag über den Eichenhain hinweg abzukürzen. Für potente Spieler wird daher die Bahn immer schwieriger zu spielen. Für alle anderen Spieler bleibt aber die Abkürzung über die mittleren Bunker (Das Fairway führt östlich um die Eiche herum!) vom Wachstum der Eichen im Hain völlig unbeeinflusst. Pflegerische Maßnahmen werden daher auch hier auf Baumerhalt und Verkehrssicherung beschränkt.

Anders verhält es sich beispielsweise bei der Hainbuchengruppe an der Bahn 4. Als diese Bahn als Par 5 eingestuft wurde, waren die Hainbuchen kleine Büschlein, die beim Anspiel des Grüns leicht vermieden werden konnten. Durchmesser und Höhe der Gruppenkrone haben jedoch jedes Jahr um ein bis zwei Meter zugenommen und werden das auch weiterhin tun, so dass das Hindernis, das die Hainbuchengruppe bildet, stetig größer wird. Weil die Äste der Hainbuchen bis auf den Boden herabhingen, wurde über die Jahre hinweg die Fairwaypassage zwischen den Buchen und dem gegenüber liegenden Bunker immer schmaler. Hier musste erzieherisch eingegriffen werden:

  • Der Entwicklung der Büsche zu Bäumen Rechnung tragend, wurden tief hängende Äste entfernt.
  • Der Baumgruppenstandort wurde so aufgeräumt, dass Spieler zukünftig hineingeschlagene Bälle wiederfinden werden und gefahrlos heraus chippen können.

Nach diesem Eingriff hat sich das Hindernis für den ambitionierten Golfer mit kleinem Handicap, der das Grün mit dem dritten Schlag erreichen will, nicht verändert; im Gegenteil: Es wächst fortlaufend weiter. Aber auch dann, wenn ein Ball unter den Hainbuchen zu liegen kommt, ist ein direktes Anspiel des Grüns wegen der weiträumig abdeckenden Baumgruppenkrone in Verbindung mit dem schützenden Grünbunker trotzdem nicht einfach – obwohl der Ball jetzt schneller gefunden wird und der Schläger freier geschwungen werden kann.

Baumerhalt und Verkehrssicherung
Fortentwicklung von Platz und Spiel